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GFK bearbeiten

GFK bearbeiten: So sägen, bohren und kleben Sie GFK richtig

Das Profil ist zwei Zentimeter zu lang. Der Gitterrost braucht eine Ausklinkung für das Rohr. Und in die Platte sollen vier Bohrungen. Kommt Ihnen bekannt vor? Auf der Baustelle und in der Werkstatt lässt sich selten alles vorab auf den Millimeter planen. Die gute Nachricht: GFK (glasfaserverstärkter Kunststoff) lässt sich fast so unkompliziert bearbeiten wie Holz. Sägen, Bohren, Schleifen und Kleben funktionieren mit gängigen Maschinen.

Einen Haken gibt es allerdings. Die Glasfasern im Material sind extrem abrasiv, wirken also wie feines Schleifmittel auf jede Schneide. Wer GFK mit Standardwerkzeug für Holz bearbeitet, hält schnell ein stumpfes Sägeblatt in der Hand und riskiert ausgefranste Kanten. Mit der richtigen Werkzeugwahl und ein paar Handgriffen gelingt die GFK-Bearbeitung dagegen sauber und zügig. Wie genau, lesen Sie hier.

Das Wichtigste in Kürze

  • GFK lässt sich ähnlich einfach bearbeiten wie Holz, verlangt aber hartmetall- oder diamantbestückte Werkzeuge, weil die Glasfasern normale Schneiden schnell abstumpfen.
  • Bohrungen bis 12 mm Durchmesser gelingen mit einem normalen Hartmetallbohrer, für größere Durchmesser nutzen Sie diamantbesetzte Bohrer oder Lochsägen.
  • Beim Sägen, Bohren und Schleifen entsteht feiner Faserstaub: Saugen Sie ihn direkt an der Entstehungsstelle ab und tragen Sie mindestens eine FFP2-Maske.

Warum verhält sich GFK anders als Holz oder Metall?

GFK besteht aus zwei Komponenten: Glasfasern, die die Lasten tragen, und einer Harzmatrix, die die Fasern umschließt. Genau diese Fasern machen den Unterschied. Jede Faser, die Ihre Säge durchtrennt, trägt ein winziges Stück der Schneide ab. Nach wenigen Metern Schnittlänge ist ein einfaches Blatt stumpf.

Dazu kommen zwei Eigenheiten, die Sie kennen sollten. Erstens neigt der Schichtaufbau bei falscher Bearbeitung zu Ausbrüchen und Delamination, also dem Ablösen einzelner Lagen an der Schnittkante. Zweitens leitet GFK Wärme schlecht ab. Die Hitze bleibt an der Schnittstelle und kann das Harz schädigen. Beides bekommen Sie in den Griff: mit scharfen Hartmetall- oder Diamantwerkzeugen, moderatem Druck und bei intensiver Bearbeitung mit Kühlung.

Wie sägen Sie GFK sauber zu?

Für die typischen Arbeiten auf der Baustelle reicht eine handelsübliche Stichsäge mit Metallsägeblatt völlig aus. Damit klinken Sie Gitterroste aus oder längen Profile ab. Führen Sie die Säge mit gleichmäßigem, moderatem Vorschub und lassen Sie das Blatt arbeiten. Zu viel Druck erhöht die Ausrissgefahr an der Unterseite.

Steht mehr Sägevolumen an, etwa der Serienzuschnitt von Platten oder Profilen, lohnt sich eine Kreissäge oder Bandsäge mit diamantbesetztem Blatt. Bei Kreissägeblättern hat sich die Trapez-Flachzahn-Geometrie bewährt. Sie erreicht beim GFK-Zuschnitt deutlich höhere Standzeiten als ein Wechselzahn-Blatt. Ein Tipp für saubere Kanten: Zeichnen Sie den Schnitt an, fixieren Sie eine Führungsschiene mit Zwingen und kleben Sie die Schnittlinie bei sichtbaren Bauteilen mit Kreppband ab. Kleine Ausrisse lassen sich hinterher mit Schleifpapier glätten.

Wie bohren Sie GFK, ohne dass es ausfranst?

Merken Sie sich eine einfache Regel: Bis 12 mm Durchmesser bohren Sie GFK mit einem normalen Hartmetallbohrer nach DIN 8037 oder DIN 8038. Für größere Durchmesser greifen Sie zu diamantbesetzten Bohrern oder Lochsägen. Damit schneiden Sie auch Durchführungen für Rohre und Kabel sauber aus.

Beim Bohren gelten drei Grundsätze. Unterlegen Sie das Bauteil mit einem Holzrest, dann reißt die Austrittsseite nicht aus. Reduzieren Sie den Druck, kurz bevor der Bohrer durchbricht. Und kühlen Sie bei größeren Durchmessern oder Bohrserien mit Wasser, denn die Wärme staut sich sonst im Material. Übrigens: Anders als bei Stahl brauchen Sie keine Angst vor Korrosion an der Bohrkante. Die Schnittstelle bleibt auch unbehandelt beständig, bei stark chemisch belasteten Umgebungen lässt sie sich zusätzlich mit Harz versiegeln.

Kann man GFK fräsen und schleifen?

Ja, beides funktioniert gut. Zum Fräsen eignen sich Fräser mit Diamantschneide am besten. Als Richtwerte haben sich ein Spanwinkel von 5 bis 15 Grad und Schnittgeschwindigkeiten bis 1000 m/min etabliert, mit Vorschüben bis 0,5 mm pro Umdrehung. Hartmetallfräser funktionieren ebenfalls, verschleißen aber schneller. Planen Sie bei längeren Fräsarbeiten eine Kühlung ein.

Schleifen ist noch unkomplizierter. Kanten und kleine Ausrisse glätten Sie mit gewöhnlichem Schleifpapier, größere Flächen bearbeiten Sie mit dem Bandschleifer. Beim Schleifen entsteht allerdings besonders viel Feinstaub. Arbeiten Sie deshalb konsequent mit Absaugung und Atemschutz, dazu gleich mehr.

Wie kleben Sie GFK dauerhaft fest?

GFK lässt sich generell sehr gut kleben, und zwar sowohl mit sich selbst als auch mit Metall oder Holz. Bewährt haben sich 2-Komponenten-Klebstoffe auf Epoxid-, Acrylat-, Polyurethan- oder MMA-Basis (Methylmethacrylat). Epoxidkleber liefern besonders feste, chemisch beständige Verbindungen und haften hervorragend auf Faserverbund, Metall und Holz. Acrylate härten schneller aus und verzeihen mehr bei der Vorbereitung.

Der Erfolg entscheidet sich zu einem großen Teil vor dem Kleben. So gehen Sie vor:

  1. Anschleifen: Rauen Sie beide Klebeflächen mit Schleifpapier leicht an. Die glatte Harzoberfläche bietet dem Kleber sonst zu wenig Halt.
  2. Reinigen: Entfernen Sie den Schleifstaub und entfetten Sie die Flächen gründlich.
  3. Kleben: Mischen Sie den 2K-Kleber exakt nach Herstellerangabe, tragen Sie ihn gleichmäßig auf und fügen Sie die Teile blasenfrei.
  4. Aushärten lassen: Halten Sie Topfzeit, Aushärtezeit und die vorgegebene Temperatur ein und belasten Sie die Verbindung erst nach vollständiger Aushärtung.

Zwei Sonderfälle verdienen einen genaueren Blick. Bei tragenden Klebeverbindungen führt an sauber gereinigten, geprimerten Flächen und der exakt passenden Kleberauswahl kein Weg vorbei; hier lohnt die Abstimmung mit dem Klebstoffhersteller oder Ihrem GFK-Lieferanten. Und wenn Sie GFK mit Metall verkleben, wählen Sie einen Kleber, der die unterschiedliche Wärmeausdehnung beider Werkstoffe ausgleichen kann, etwa einen zähelastischen 2K-Konstruktionskleber auf Epoxid- oder Acrylatbasis.

Kann man GFK schrauben und Gewinde schneiden?

Schrauben ja, und zwar am besten mit Durchgangsschrauben. Sie bohren durch, setzen die Schraube mit Unterlegscheibe und kontern auf der Rückseite. So verteilt sich die Kraft großflächig im Bauteil. Für Gitterroste gibt es zudem spezielle Befestigungsklammern, die ganz ohne Bohrung im Rost auskommen.

Gewinde direkt in GFK zu schneiden funktioniert zwar, ist aber nur dann sinnvoll, wenn die Verbindung keiner hohen Zugbelastung ausgesetzt ist. Die Gewindegänge sitzen im Harz und in quer liegenden Fasern, das trägt weniger als ein Gewinde in Stahl. Für kraftschlüssige Verbindungen setzen Sie besser auf Durchgangsschrauben, Einlegemuttern oder eine Kombination aus Kleben und Schrauben.

Welches Werkzeug eignet sich für welche GFK-Bearbeitung?

Hier noch einmal alles Wichtige auf einen Blick:

ArbeitsschrittGeeignetes WerkzeugWorauf es ankommt
Sägen (klein)Stichsäge mit MetallsägeblattFür Ausklinkungen und das Ablängen von Profilen
Sägen (Serie)Diamantbesetzte Band- oder KreissägeTrapez-Flachzahn-Blatt hält deutlich länger als Wechselzahn
Bohren bis 12 mmHartmetallbohrer (DIN 8037/8038)Zügig bohren, Druck reduzieren beim Austritt
Bohren über 12 mmDiamantbesetzter Bohrer oder LochsägeBei starker Erwärmung mit Wasser kühlen
FräsenFräser mit DiamantschneideSpanwinkel 5 bis 15 Grad, Kühlung einplanen
SchleifenSchleifpapier oder BandschleiferImmer mit Absaugung und Atemschutz arbeiten
Kleben2K-Kleber (Epoxid, Acrylat, PU, MMA)Flächen anschleifen, reinigen und entfetten

Damit sind Sie für die gängigen Arbeitsschritte gerüstet. Bleibt noch ein Thema, das gern unterschätzt wird.

Welcher Arbeitsschutz gehört zur GFK-Bearbeitung?

Beim Sägen, Bohren und vor allem beim Schleifen von GFK entsteht feiner Faserstaub, der zum Teil lungengängig ist. Diese feinen Stäube können bis in die Lungenbläschen vordringen. Wer sie über längere Zeit regelmäßig einatmet, riskiert chronische Atemwegserkrankungen. Zur Einordnung: Modernes GFK enthält keine krebserregenden Stoffe. Ein Freifahrtschein ist das trotzdem nicht.

Die Schutzmaßnahmen sind zum Glück überschaubar:

  • Absaugen an der Quelle: Nutzen Sie Maschinen mit integrierter Absaugung oder einen geeigneten Industriesauger direkt an der Bearbeitungsstelle. Genau das schreibt auch die DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) für staubintensive Arbeiten vor.
  • Atemschutz tragen: Mindestens eine FFP2-Maske, bei intensiven Schleifarbeiten gern eine Stufe höher.
  • Haut und Augen schützen: Schutzbrille, Handschuhe und langärmelige Kleidung verhindern Hautreizungen durch die feinen Fasern.

Wer im Freien arbeitet oder nass schleift, reduziert die Staubbelastung zusätzlich. Mit diesen Handgriffen bearbeiten Sie GFK genauso sicher wie jeden anderen Werkstoff.

Wann lohnt sich der Zuschnitt ab Werk?

So gut sich GFK bearbeiten lässt: Jeder Schnitt auf der Baustelle kostet Zeit, Werkzeugverschleiß und im Zweifel Nerven. Sobald mehrere Zuschnitte, Ausklinkungen oder Bohrbilder anstehen, rechnet sich der konfektionierte Zuschnitt ab Werk fast immer. Sie erhalten einbaufertige Teile mit sauberen Kanten, die Montage verkürzt sich spürbar und die Staubbelastung vor Ort entfällt gleich mit.

Bei der KBM GmbH erhalten Sie GFK-Gitterroste, Konstruktionsprofile und Platten auf Wunsch millimetergenau zugeschnitten, ausgeklinkt und vorgebohrt. Auch komplette Sonderanfertigungen fertigen wir nach Ihren Zeichnungen. Schicken Sie uns einfach Ihre Maße über das Kontaktformular, den Rest übernehmen wir.

Häufige Fragen zum Bearbeiten von GFK

Womit schneidet man GFK am besten?

Für kleinere Arbeiten reicht eine Stichsäge mit Metallsägeblatt, etwa zum Ablängen von Profilen oder Ausklinken von Gitterrosten. Bei größerem Sägevolumen nutzen Sie eine Kreis- oder Bandsäge mit diamantbesetztem Blatt.

Kann man GFK mit normalem Bohrer bohren?

Ja, bis 12 mm Durchmesser funktioniert ein normaler Hartmetallbohrer nach DIN 8037/8038. Für größere Durchmesser eignen sich diamantbesetzte Bohrer oder Lochsägen. Ein Holzrest als Unterlage verhindert Ausrisse an der Austrittsseite.

Welcher Kleber hält auf GFK?

2-Komponenten-Kleber auf Epoxid-, Acrylat-, Polyurethan- oder MMA-Basis. Entscheidend ist die Vorbereitung: Flächen anschleifen, entstauben und entfetten. Bei tragenden Verbindungen stimmen Sie die Kleberwahl mit dem Hersteller ab.

Ist GFK-Staub gefährlich?

GFK-Staub enthält keine krebserregenden Stoffe, die feinen Fasern reizen aber Atemwege und Haut und können bei dauerhafter Belastung chronische Atemwegserkrankungen begünstigen. Arbeiten Sie deshalb mit Absaugung an der Entstehungsstelle, FFP2-Maske, Schutzbrille und Handschuhen.

Rostet die Schnittkante von GFK?

Nein. Anders als bei verzinktem Stahl entsteht an der Schnitt- oder Bohrkante keine Korrosionsstelle. In stark chemisch belasteten Umgebungen können Sie die Kante zusätzlich mit Harz versiegeln.

Sven Borkheim

Geschäftsführer

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