DIN EN ISO 9001
GFK Bewehrung

GFK-Bewehrung: Wie Glasfaser den Stahl im Beton ersetzt

Beton hält Jahrhunderte, könnte man meinen. Tatsächlich stirbt kaum ein Bauwerk am Beton selbst. Es stirbt am Stahl darin. Dringen Feuchtigkeit und Tausalz bis zur Bewehrung vor, beginnt der Stahl zu rosten, dehnt sich aus und sprengt den Beton von innen auf. Marode Brücken, gesperrte Parkdecks und teure Sanierungen erzählen alle dieselbe Geschichte.

Was wäre, wenn die Bewehrung gar nicht rosten könnte? Genau hier setzt die GFK-Bewehrung an: Bewehrungsstäbe und Gittermatten aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) statt aus Stahl. Seit Januar 2024 gibt es dafür in Deutschland erstmals eine anerkannte technische Regel, die den Einsatz erheblich erleichtert. Zeit also, sich diese Bauweise genauer anzusehen: Was kann die Glasfaserbewehrung, wo liegen ihre Grenzen, und für welche Projekte lohnt sie sich?

Das Wichtigste in Kürze

  • GFK-Bewehrung rostet nicht, benötigt deshalb nur eine geringe Betondeckung und ermöglicht schlankere Bauteile bei rund einem Viertel des Stahlgewichts.
  • Seit Januar 2024 regelt die DAfStb-Richtlinie „Betonbauteile mit nichtmetallischer Bewehrung“ erstmals Bemessung, Prüfung und Ausführung; zusätzlich braucht das Produkt eine bauaufsichtliche Zulassung.
  • Der niedrigere E-Modul ist die wichtigste Grenze: Bei Biegebauteilen wird häufig der Verformungsnachweis maßgebend, und die Rissbreiten fallen größer aus als bei Stahl.

Was ist GFK-Bewehrung?

GFK-Bewehrung ist eine Betonbewehrung aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Sie übernimmt im Bauteil dieselbe Aufgabe wie klassischer Betonstahl: Sie nimmt die Zugkräfte auf, die der Beton allein nicht tragen kann. Auf der Baustelle sieht sie einer Stahlbewehrung zum Verwechseln ähnlich, gerippte Stäbe, die ganz ähnlich verlegt werden. Der Unterschied steckt im Material: Statt Stahl tragen hier Millionen feiner Glasfasern in einer Kunstharzmatrix die Last.

Erhältlich ist die Glasfaserbewehrung in zwei Grundformen. Stabförmige Bewehrung ersetzt den klassischen Bewehrungsstab, flächige Gittermatten übernehmen die Rolle der Bewehrungsmatte, etwa in Platten oder zur Armierung gekrümmter Flächen. Übrigens gehört die GFK-Bewehrung zur größeren Familie der nichtmetallischen Bewehrungen. Dazu zählt auch die Carbonbewehrung, die mit Kohlenstofffasern arbeitet und noch höhere Steifigkeiten erreicht, allerdings zu deutlich höheren Materialkosten. Für viele Anwendungen ist Glas deshalb der wirtschaftliche Mittelweg.

Wie wird GFK-Bewehrung hergestellt?

Die Stäbe entstehen im Pultrusionsverfahren, also im kontinuierlichen Strangziehen. Hochfeste Glasfasern werden dabei so dicht wie möglich gebündelt, durch ein Werkzeug gezogen und mit flüssigem Kunstharz getränkt. Der Faseranteil ist beachtlich: 70 bis 80 Volumenprozent des Stabes bestehen aus Endlosfasern, den Rest bildet die Matrix, typischerweise aus Vinylester- oder Epoxidharz.

Nach dem Aushärten bekommt der glatte Strang sein Profil. Beim marktführenden System Combar von Schöck werden die Rippen in die ausgehärteten Stäbe geschnitten und die Stäbe anschließend beschichtet. Die Rippen sorgen wie beim Betonstahl für den Verbund mit dem Beton. Eine Besonderheit verdient dabei Beachtung: Anders als Stahl, den der alkalische Beton vor Rost schützt, muss die GFK-Bewehrung dem alkalischen Milieu des Betons dauerhaft standhalten. Moderne Faser- und Harzsysteme sind genau darauf ausgelegt, und die Dauerhaftigkeit ist Teil der Zulassungsprüfung.

Welche Vorteile bietet Glasfaserbewehrung gegenüber Stahl?

Der größte Trumpf ist schnell erzählt: GFK rostet nicht. Punkt. Weder Tausalz noch Meerwasser noch Chloride können der Bewehrung etwas anhaben. Damit entfällt die häufigste Schadensursache im Stahlbetonbau komplett. Aus diesem einen Vorteil ergeben sich gleich mehrere Folgevorteile:

  • Geringere Betondeckung: Beim Stahlbeton dient die dicke Betonschicht über der Bewehrung vor allem dem Korrosionsschutz. GFK braucht sie nur für den Verbund. Bauteile lassen sich dadurch schlanker dimensionieren, das spart Beton und Gewicht.
  • Leichtes Handling: Mit rund einem Viertel des Stahlgewichts lassen sich die Stäbe von Hand bewegen. Das beschleunigt die Verlegung und schont den Rücken der Mitarbeitenden.
  • Hohe Zugfestigkeit: GFK-Stäbe erreichen bei gleichem Durchmesser eine deutlich höhere Zugfestigkeit als Betonstahl.
  • Unmagnetisch und nicht leitend: Für Messeinrichtungen, sensible Labore oder Bereiche mit elektromagnetischen Anforderungen ist die Glasfaserbewehrung oft die einzige praktikable Lösung.
  • Leicht zerspanbar: GFK-bewehrter Beton lässt sich vergleichsweise einfach schneiden und bohren. Im Tunnelbau werden deshalb Wandbereiche mit GFK bewehrt, die später wieder durchörtert werden.

Klingt beeindruckend? Ist es auch. Trotzdem wäre es unseriös, an dieser Stelle aufzuhören. Denn die Glasfaserbewehrung hat physikalische Grenzen, die Sie als Planende kennen sollten.

Wo liegen die Grenzen der GFK-Bewehrung?

Die wichtigste Grenze ist der Elastizitätsmodul. Er liegt bei GFK deutlich unter dem von Stahl, das Material dehnt sich unter Last also stärker. In der Praxis heißt das: Bei Biegebauteilen mit nichtmetallischer Bewehrung wird laut DAfStb-Heft 660 häufig nicht die Tragfähigkeit, sondern der Verformungsnachweis im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit maßgebend. Auch die Rissbreiten fallen größer aus. Technische Untersuchungen nennen 0,5 bis 0,7 mm gegenüber 0,3 bis 0,4 mm bei Stahlbewehrung, was für viele Anwendungen akzeptabel bleibt, aber eingeplant werden will.

Dazu kommen drei weitere Punkte. Erstens verhält sich GFK bis zum Bruch linear-elastisch, es fließt nicht wie Stahl und kündigt ein Versagen deshalb nicht durch sichtbare plastische Verformung an; das Sicherheitskonzept der Bemessung trägt dem Rechnung. Zweitens klammert die neue DAfStb-Richtlinie den Brandschutz bislang aus, für brandschutzrelevante Bauteile sind also gesonderte Nachweise nötig. Und drittens kostet die GFK-Bewehrung in der Anschaffung mehr als Betonstahl.

Die Praxis findet darauf übrigens eine pragmatische Antwort: Hybridsysteme kombinieren beide Werkstoffe. GFK sorgt für Dauerhaftigkeit in den korrosionsgefährdeten Zonen, Stahl steuert dort Duktilität und Feuerwiderstand bei, wo es darauf ankommt.

Welche Regeln gelten? Die DAfStb-Richtlinie seit 2024

Lange Zeit war jedes Projekt mit Glasfaserbewehrung ein Sonderfall mit Einzelzulassung. Das hat sich geändert. Im Januar 2024 hat der Deutsche Ausschuss für Stahlbeton (DAfStb) die Richtlinie „Betonbauteile mit nichtmetallischer Bewehrung“ veröffentlicht, die erste anerkannte technische Regel für diese Bauweise in Deutschland. Auf über 200 Seiten regelt sie in fünf Teilen die Bemessung, die Anforderungen an die Bewehrungsprodukte, die Bauausführung in Anlehnung an DIN EN 13670 sowie die Prüfverfahren und Verwendbarkeitsnachweise.

Damit schließt Deutschland zu Ländern wie den USA, Kanada, Japan und Italien auf, in denen entsprechende Normen schon seit Jahren existieren. Auch auf europäischer Ebene ist Bewegung drin: Die Aufnahme faserverstärkter Kunststoffbewehrung in den Eurocode 2 zeichnet sich ab.

Ein Punkt bleibt für die Planung zentral: Die Richtlinie ersetzt nicht die Produktzulassung. Zum Einsatz kommen dürfen Produkte mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung beziehungsweise Bauartgenehmigung des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt). Das etablierte Combar-System trägt beispielsweise die Zulassung Z-1.6-238 mit Geltungsdauer bis Anfang 2029. Vorsicht dagegen bei günstigen Importstäben aus dem Onlinehandel: Manche Produkte am Markt haben keine allgemeine Bauzulassung und scheiden für tragende Bauteile damit aus. Fragen Sie im Zweifel die Zulassung an, bevor Sie planen.

GFK-Bewehrung und Betonstahl im direkten Vergleich

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:

EigenschaftGFK-BewehrungBetonstahl
Korrosionkorrosionsfrei, auch bei Tausalz und Meerwasserrostet, sobald der Schutz durch den Beton versagt
Gewichtrund ein Viertel des Stahlgewichtshoch, aufwendiges Handling
Zugfestigkeitdeutlich höher als bei Betonstahl gleichen Durchmesserszuverlässig, aber niedriger
E-Moduldeutlich niedriger, Verformung oft maßgebendhoch, steifes Tragverhalten
Versagensverhaltenlinear-elastisch, kein Fließenkündigt Versagen durch Fließen an
Magnetismus / Leitfähigkeitunmagnetisch, elektrisch nicht leitendmagnetisch, leitend
Betondeckunggering, nur für den Verbund nötiggroß, als Korrosionsschutz nötig
RegelwerkDAfStb-Richtlinie (2024) plus ProduktzulassungEurocode 2, DIN 1045, etabliert

Sie sehen: Keiner der beiden Werkstoffe gewinnt auf ganzer Linie. Die Frage ist nicht, ob GFK besser ist als Stahl, sondern welches Bauteil unter welchen Bedingungen welche Bewehrung braucht.

Wo wird GFK-Bewehrung eingesetzt?

Ihre Stärken spielt die Glasfaserbewehrung überall dort aus, wo Stahl systematisch leidet oder schlicht stört. Typische Einsatzfelder sind Brücken und Tunnel, Industrieanlagen und maritime Bauwerke, in denen Chloride, Tausalz oder Meerwasser die Lebensdauer von Stahlbeton drastisch verkürzen. In Parkbauten und auf Fahrbahnplatten schlägt die Tausalzbeständigkeit direkt auf die Instandhaltungskosten durch.

Dazu kommen die Spezialfälle, in denen die Materialeigenschaften den Ausschlag geben: Bauteile in der Nähe empfindlicher Messtechnik, elektromagnetisch abgeschirmte Labore oder eben die erwähnten Tunnelwände, die eine Bohrmaschine später durchfahren soll. Und im Verbund mit Beton endet die Geschichte nicht: Als Bewehrungsstab ist GFK der jüngste Vertreter einer Werkstofffamilie, die im Ingenieurbau längst angekommen ist.

GFK im Ingenieurbau: mehr als Bewehrung

Denn das Prinzip hinter der GFK-Bewehrung, endlose Glasfasern plus Harzmatrix im Strangziehverfahren, trägt viele weitere Anwendungen. Aus denselben pultrudierten Profilen entstehen komplette Tragkonstruktionen: Brücken für Fuß- und Radwege, Geländer, Gitterroste, Treppen und Podeste, die ohne Korrosionsschutz Jahrzehnte durchhalten. Wo die Bewehrung den Beton dauerhaft macht, ersetzt das Profil den Beton mitunter gleich ganz.

Die KBM GmbH fertigt zwar keine Bewehrungsstäbe, arbeitet aber seit über 25 Jahren mit genau diesem Werkstoff und demselben Fertigungsprinzip: Aus pultrudierten GFK-Profilen entstehen bei uns Brücken, Konstruktionsprofile, Gitterroste, Geländer und komplette Sonderanfertigungen für Infrastruktur, Industrie und Kommunen. Planen Sie ein Projekt, bei dem Korrosion keine Chance haben soll? Dann sprechen Sie uns über das Kontaktformular an, wir beraten Sie gern.

Häufige Fragen zur GFK-Bewehrung

Was ist GFK-Bewehrung?
GFK-Bewehrung ist eine Betonbewehrung aus glasfaserverstärktem Kunststoff, erhältlich als gerippte Stäbe oder als Gittermatten. Sie übernimmt die Zugkräfte im Beton wie klassischer Betonstahl, kann aber nicht rosten.

Rostet GFK-Bewehrung wirklich nicht?
Nein. Die Glasfasern und die Kunstharzmatrix korrodieren nicht, auch nicht unter Tausalz, Chloriden oder Meerwasser. Entscheidend ist stattdessen die dauerhafte Beständigkeit im alkalischen Beton, die im Zulassungsverfahren nachgewiesen wird.

Ist GFK-Bewehrung in Deutschland zugelassen?
Ja, im Zusammenspiel zweier Bausteine: Die DAfStb-Richtlinie „Betonbauteile mit nichtmetallischer Bewehrung“ (Januar 2024) regelt Bemessung und Ausführung, das konkrete Produkt braucht zusätzlich eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des DIBt. Nicht jedes am Markt erhältliche Produkt hat eine solche Zulassung.

Was kostet GFK-Bewehrung im Vergleich zu Stahl?
In der Anschaffung liegt die Glasfaserbewehrung über dem Betonstahl. Auf die Lebensdauer gerechnet kann sie günstiger sein, weil Korrosionsschäden, Sanierungen und dicke Betondeckungen entfallen. Die Wirtschaftlichkeit hängt vom Einzelfall ab, vor allem von der Korrosionsbelastung des Bauwerks.

Wann ist Stahl die bessere Wahl?
Bei Bauteilen, deren Nachweis stark von Steifigkeit und Verformung abhängt, bei hohen Brandschutzanforderungen und überall dort, wo keine nennenswerte Korrosionsgefahr besteht. In der Praxis kombinieren Hybridsysteme beide Werkstoffe und nutzen die jeweiligen Stärken.

Sven Borkheim

Geschäftsführer

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